Bildung in Ruanda

Das ruandische Bildungswesen gliedert sich in eine rudimentäre Vorschulerziehung und eine Primarschulbildung ( Klassen 1-6). Die Einschulungsrate liegt bei über 95 %. Tatsächlich abgeschlossen wird die Primarschule jedoch von nur etwa 60% der Schüler. Auf der Primarschule baut die Sekundarbildung (untergliedert in „O-Levels“ (7-9) und  „A-Levels“ (10-12))  in Form der staatlichen 9- bzw. 12-year-basic-education oder meist halbstaatlichen Internatsschulen und schließlich die Hochschulbildung auf.

Ruanda hat sich hohe Ziele gesetzt und will den Weg zu einer wissensbasierten und technologiegeleiteten Entwicklung gehen, um den wissenschaftlichen und technologischen Herausforderungen in Zukunft gerecht werden zu können. Das ruandische Bildungsministerium hat durch das Rwanda Education Board (REB) die Lehrpläne neu bearbeiten lassen um sicherzustellen, dass Schulen den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden können. Der Schwerpunkt der Neufassung wird vermehrt die Kompetenzen, Fähigkeiten und (Wert-)Haltungen der SchülerInnen fördern. In den Primarstufen (Klasse 1-6) und den Sekundarstufen (Klasse 7-12) sind 24 Fächer in einzelnen Fachlehrplänen ausgewiesen. Kinder und Jugendliche stehen mit den an sie gerichteten Herausforderungen in einer sich dynamisch verändernden globalisierten Lebenswelt als Lernende im Mittelpunkt.

Trotz zahlreicher Fortschritte gibt es in der Realität jedoch gerade an Schulen im ländlichen Raum noch großen Handlungsbedarf. Schulgebäude sind hier oft baufällig, verfügen weder über Strom- noch Wasserversorgung und Lehrer erhalten eine schlechte Bezahlung, was teilweise zu einer eher geringen Motivation führt. Bei dem rasant angestrebten Wandel scheinen also nicht alle Akteure des Bildungssystems hinterher zu kommen. Gründe dafür sind vielzählig. Das Schulsystem in Ruanda hat vor allem in den letzten Jahren große Veränderungen erfahren. Im Jahr 2000 hat die neue ruandische Regierung mit der „Vision Rwanda 2020“ sehr ehrgeizige Ziele formuliert, die sie konsequent umsetzten will. Bis 2009 war Französisch neben Kinyarwanda die offizielle Sprache. Mit Beginn des Schuljahres 2009 wurde ab der 3. Klasse vollständig von Französisch auf Englisch als Unterrichtssprache umgestellt. Klasse 1-3 werden auf Kinyarwanda unterrichtet. Primarschulen an zentralen Standorten wurden zu Sekundarschulen erweitert; zunächst um die „O-Levels“ – die Klassenstufen 7-9 und kurze Zeit später wurden an mindestens einer ehemaligen Grundschulen pro Sektor zudem die sogenannten „A-Levels“ eingeführt – die Oberstufe, Klasse 10-12.  Diese 9- bzw. 12-year-basic-education gilt offiziell als schulgeldfrei, wobei die Eltern im Gegenzug für Schuluniform, Hefte, Stifte und Verpflegung selbst aufkommen müssen. Das wiederum hat zur Folge, dass sich viele Eltern die Schule für ihre Kinder nicht leisten können und ihre Kinder, oftmals die Mädchen, nach anderen Möglichkeiten suchen sich die Schule zu finanzieren. Viele Freier sog. „Suggar Daddies“ nutzen diese Notsituation der Kinder und Familien aus und bieten, gegen sexuelle Gegenleistungen an, das Schulgeld zu zahlen oder die Kinder zu transportieren. Auch die mangelnde Essensversorgung an den Schulen ist ein großes Problem. Da Familien im ländlichen Bereich das notwenige Geld für die Schulspeisungen zum Teil nicht aufbringen können, müssen Kinder den Schultag ohne Nahrung verbringen. Der Zugang zu Nahrung hat einen großen Einfluss auf die Gesundheit und die Konzentration der Kinder.

Über Schulbücher verfügen die Kinder noch selten. Zuweilen werden die Bücher in den oberen Klassen im Unterricht verteilt und dann bei Unterrichtsende wieder eingezogen.

Neben den heutigen staatlichen 12-year-basic-education Schulen, welche eine komplette Sekundarschulbildung abdecken, existieren zudem Internatsschulen, welche vor der Reform die einizen Institutionen darstellen, an denen die allgemeine Hochschulreife erlangt werden konnte. Sie decken in der Regel sowohl die „O-Levels“ als auch die „A-Levels“ ab. Es gibt mathematisch-naturwissenschaftliche Bereiche, humanistisch-sprachliche Bereiche sowie technische und sozialpädagogische Ausrichtungen. Die Internatsschulen sind bislang schulgeldpflichtig. Dies, sowie die anfallenden Gebühren im 9- bzw. 12-year-basic-education-Systemführen unter anderem dazu, dass nur etwa 35% der Schüler nach dem Besuch der Primarschule überhaupt in die Sekundarschule wechseln.

Das Schuljahr an ruandischen Schulen gliedert sich in drei Trimester, die jeweils mit Prüfungen abgeschlossen werden. Sekundarschulen bieten oft Arbeitsgemeinschaften an, in denen Schüler soziale Kompetenzen erlernen können, sei es durch Sport, Tanz, Gesang etc. Aufgrund der hohen Geburtenrate laufen die Schulbaumaßnahmen auch ständig der Bevölkerungsentwicklung hinterher, was häufig zu völlig überfüllten Klassenräumen führt. Als Lösungsansatz setzt die Regierung bei neuen Schulbaumaßnahmen auf Bürgerbeteiligung in Form von unbezahlter Eigenleistung von Gemeindemitgliedern, während von staatlicher Seite  Baumaterial zur Verfügung gestellt wird. Auch bleiben unzureichende Unterrichtsmittel sowie insbesondere die geringe Anzahl und Qualifikation des Lehrpersonals eine große Herausforderung. So beträgt die durchschnittliche Schülerzahl pro Lehrer im Primarschulbereich 60:1. Zum Vergleich: In Deutschland liegt diese Quote bei 16:1.

Dies alles sind die zentralen Herausforderungen vor denen die ruandische Regierung steht. 

Weitere Informationen finden Sie hier:

Datenübersicht der UNESCO zum ruandischen Bildungswesen. 

Kurzer Überblick mit Fakten über Schulbildung in Ruanda von UNICEF. 

Statistische Angaben zum ruandischen Bildungssystem des ruandischen Bildungsministerium (MINEDUC).