Tourismus

Tourismus gilt seit dem Jahr 2001 als ein zentraler Wirtschaftssektor Ruandas von dem 60% der Bevölkerung profitieren. Der Aufschwung des Tourismus im Land trägt, neben einer Diversifizierung der wirtschaftlichen Einnahmen, zur Verwirklichung des Ziels bei in den kommenden Jahren zum wichtigsten Kongressreiseziel der Region Zentral- und Ostafrikas zu werden. Wichtig dabei ist die ideelle Grundlage des ruandischen Tourismussektors, auf "Klasse statt Masse" zu setzen. In diesem Zusammenhang spielt das Stichwort des sanften Tourismus eine ausschlaggebende Rolle. Erstklassiger und ökologischer Tourismus haben in dem kleinen zentralafrikanischen Land laut eigenen Angaben oberste Priorität; Massenandrang gilt als Fremdwort, ganz im Gegenteil zu den Nachbarländern Tansania und Uganda.

Die zielstrebige Verfolgung der eben angesprochenen Ziele hat dem Land in den letzten Jahren zu seinem wohlverdienten Ruf als Geheimtipp für Afrikafans verholfen.

Zur Förderung des Tourismus wurde das "Rwanda Office of Tourism and National Parks" (ORTPN) komplett reformiert. Auch private Träger bieten inzwischen ein großes Leistungsspektrum für Touristen an. Diese sind jedoch finanziell und strategisch noch immer stark an die staatlichen ORTPNs gebunden. Weitere große Hindernisse in der Entwicklung des Tourismus liegen außerdem in der Qualität der Hotels auf dem Land sowie im Zustand und Ausbau des ruandischen Straßennetzes.

Die beste Reisezeit für Ruanda ist in der kleinen und großen Trockenzeit, also von Juni bis Mitte September oder von Dezember bis Januar. Das Klima ist aufgrund der Höhenlage des Landes angenehm und die Temperaturen variieren weniger über das Jahr hinweg als in den verschiedenen Höhenlagen. Die mittlere Tagestemperatur liegt bei 18 °C. Heute, 21 Jahre nach dem Genozid, gilt Ruanda als eines der sichersten Länder des afrikanischen Kontinents. Das Auswärtige Amt weist jedoch darauf hin, dass in der Grenzregion zur Demokratischen Republik Kongo große Vorsicht geboten ist und das unmittelbare Grenzgebiet gemieden werden sollte.

Zu den Hauptattraktionen des Landes gehören die vom Aussterben bedrohten Berggorillas in den Virungabergen, die zu dem im Norden des Landes gelegenen Volcanoes Nationalpark gehören. Berühmt geworden sind die Primaten Anfang der 1980er Jahre durch die Forschungsarbeiten der Amerikanerin Dian Fossey und den Film "Gorillas im Nebel". Die Expeditionen dauern insgesamt vier Stunden, wovon die Touristen eine Stunde mit der Beobachtung der Gorillas zubringen. Der sanfte Tourismus spielt speziell in diesem Kontext eine wichtige Rolle: Ziel ist es die bedrohten Gorillas und ihre natürliche Umgebung durch den Tourismus zu schützen. Der sanfte Tourismus hat einige Regeln zur Folge: Die Zahl der Besuchergruppen ist auf 8 Personen pro Gorilla-Familie begrenzt, der Preis für eine Expedition liegt für Ausländer bei 750$ pro Person, Verhaltensregeln, wie fotografieren ohne Blitz und ein Mindestabstand von 7 Metern zu den Gorillas, sind einzuhalten. Theoretisch entspricht dies den Vorgaben, in der Praxis wird der Mindestabstand zu den Tieren jedoch nicht konsequent durchgesetzt. Aufgrund ihrer sehr engen Verwandtschaft zum Menschen, sind die Gorillas dadurch einem hohen Übertragungsrisiko menschlicher Krankheitserreger ausgesetzt. Die Bedrohung der Affenart durch Wilderei konnte durch Patrouillen in den Nationalparks gesenkt werden - diese werden durch die hohen Gebühren finanziert.

Ruanda lockt als Reiseland jedoch nicht nur mit seinen Gorillas. Viele spannende Attraktionen, ob Natur, Kultur oder Geschichte des Landes sind ebenso sehenswert. Ruanda besitzt auf einer Fläche, die kleiner ist als NRW, drei Nationalparks: Den Vulcanoes National Park, den Akagera Nationalpark sowie den Nyungwe Forest Nationalpark, die alle erkundet werden können und eine Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt präsentieren. Eine Reise auf den Spuren ruandischer Geschichte führt zu den Gedenkstätten des Genozids in Kigali, Murambi, Nyanza und Ntarama. Noch weiter zurück blickend, führt die Reise zurück in die Epoche der Monarchie und zum Königspalast in Nyanza; auf vielfältige Weise wird die Geschichte des kleinen zentralafrikanischen Landes auch im ruandische Nationalmuseum in Butare gezeigt. Im Iby' Iwacu Kulturdorf in Musanze wird die Kultur des Landes extra für Touristen eindrucksvoll dargestellt: traditionelle Tänze, Bogenschießen und die Behandlung durch einen Heilpraktiker können dort ebenso kennengelernt werden wie traditionell ruandische Gerichte und Getränke. Auch die Seenlandschaft in Ruanda ist beeindruckend. Neben dem größten ruandischen See, dem Kivu-See, sind auch die Zwillingsseen Burera und Ruhondo atemberaubend. Die Tee-Plantagen von Pfunda, Gisakura und Gisovu sowie die Maraba Kaffee-Plantagen, die der Ursprung der wichtigsten Exportgüter des Landes sind, können besichtigt werden. Spannende Entdeckungstouren können außerdem zu Fuß oder mit Fahrrädern im Ursprungs-Gebiet der weltgrößten Flüsse unternommen werden: der Kongo-Nile-Trail bietet atemberaubende Blicke über das Land.

Eine Berühmtheit des Landes und aktiv praktizierte Versöhnungsarbeit, repräsentieren die auf traditionell von Hand gewebten Agaseke Körbe oder auch Friedenskörbe. Die Frauen tragen durch ihre Zusammenarbeit in dem Projekt zur Konfliktbewältigung bei, wobei das immense Potenzial des Tourismus für die Friedensarbeit im Land bisher noch zu wenig ausgeschöpft wird. Durch die Zusammenarbeit ehemaliger Konfliktgegner, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkommen und dadurch eine Verbesserung der Lebensgrundlage für viele Ruander und auch durch die Förderung des Umweltschutzes zum Erhalt der Nationalparks, hat der Tourismussektor wesentlich dazu beigetragen das Image des Landes nach dem Genozid zu verbessern. Noch immer finden jedoch trotz des enormen Potenzials wenig gezielte Aktionen zur Friedensförderung im Bereich des Tourismus statt. Beispiele für ein solches Engagement sind z.B. die unterstützende Finanzierung durch Gewinne aus dem Tourismussektor beim Bau von Schulen für wirtschaftlich Benachteiligte und Waisenkinder oder die Herstellung der bereits erwähnten Friedenskörbe in Frauenkooperativen. Private Unternehmen verfügen noch über zu wenig Wissen um ihre Wirkung auf Konflikte und eine aktive Friedensförderung abschätzen zu können.

Als überdurchschnittlich erfolgreich kann hingegen der Auftritt Ruandas auf der Internationalen Tourismus Börse (ITB) 2015 in Berlin bezeichnet werden: Der ruandische Messestand wurde mit dem Aussteller-Preis "Bester der Besten" unter 11.000 Ausstellern ausgezeichnet und das Land durfte zum sechsten Mal den Preis für den besten Stand des afrikanischen Kontinents entgegen nehmen.
Ruanda, schon im Jahr 2009 durch den Lonely Planet zu einem der zehn besten Reiseländer der Welt gekürt, weckte in der jüngsten Vergangenheit zunehmend das Interesse der europäischen Reisindustrie, wie sich auf der ITB zeigte.

Nicht umsonst wird Ruanda auch als "die afrikanische Schweiz" bezeichnet - Kigali, gilt als die sauberste Hauptstadt Afrikas. Plastiktüten sind in dem Land verboten und einmal im Monat findet Umuganda statt, ein Tag, an dem alle Ruander zusammen für ihr Land arbeiten indem sie gemeinnützige Arbeiten verrichten. Dazu gehören z.B. Aufräumarbeiten wie Müll aufsammeln oder auch Bäume pflanzen, Schulen bauen regionale Angelegenheiten besprechen etc.

Die Vielfalt des Landes, ganz Afrika in einem Kontinent zu haben, die aufstrebende Modernität der Hauptstadt auf der einen Seite und die traditionelle afrikanische Kultur Ruandas auf den Hügeln fern der Hauptstadt auf der anderen Seite, das macht Ruanda zu einem faszinierenden Reiseziel für viele Touristen.

Autorin: Hannah Posern

 

Literatur:

Alluri, Rina (2009): Ein neues Image aufbauen. Tourismus und Friedensförderung in Ruanda. 

Berggorilla & Regenwald Direkthilfe e. V. (Hrsg.): Gorillatourismus – eine Chance oder eine Gefahr für das Überleben der seltenen Menschenaffen? 

Botschaft der Republik Ruanda, Berlin, Deutschland (Hrsg.) (2015): ITB Berlin 2015: Für Ruanda ein Erfolg auf ganzer Linie. 

Focus online (Hrsg.) (2010): Tourismus in Ruanda legt zu. 

Rwanda Development Board (RDB) (Hrsg.): Remarkable Rwanda. Gorilla Tracking. 

Stefan-George-Gymnasium Bingen (Hrsg.): Tourismus in Ruanda. 

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (2011): Die letzten Berggorillas sind in Ruanda eine Touristen-Attraktion.