Esperance

Partizipatives Theaterprojekt

In einem kinderreichen Land wie Ruanda ist die Weiterentwicklung des Unterrichts und somit die Bildung der Kinder eine der größten Herausforderungen der Gegenwart. Gerade mit der Umstellung der Unterrichtssprache von Französisch auf Englisch gehen enorme Probleme in der schulischen Bildung einher. Oft sprechen die Eltern die Sprache nicht und können aus diesem Grund ihren Kindern nicht die nötige Unterstützung anbieten. Zusätzlich führt die hohe Anzahl an SchülernInnen in den Klassen, die bis zu 50 SchülerInnen beträgt, dazu, dass überwiegend frontaler und theoretischer Unterricht gehalten werden kann. Dies hat zur Folge, dass nur wenige SchülerInnen sich im aktiven Sprechen in Englisch üben können.
Hier setzt das partizipative Theaterprojekt, welches durch eine Initiative des ehemaligen Büroleiters, Herrn Michael Nieden, an den Partnerschulen in Ruanda gestartet wurde, an. Ziel des Projekts ist es, durch kreative Unterrichtsgestaltung über gesellschaftliche Tabuthemen, wie Drogen oder Sexualität, spielerisch mit den SchülerInnen in die Diskussion zu kommen. Hierbei steht sowohl eine aktive Teilnahme der SchülerInnen, aber auch die Erweiterung der methodischen Möglichkeiten der Lehrer im Fokus.
Um zusätzlich einen medialen Austausch zu ermöglichen, werden die Aufführungen filmisch festgehalten und mit Untertiteln versehen. Anschließend werden sie dann an die jeweiligen deutschen Partnerschulen verschickt.
Die SchauspielerInnen des Projekts sind Jugendliche aus der Einrichtung one stop youth center in Kimisagra, welche zusammen die Gruppe Espérance (frz. Hoffnung) bilden. Mit ihren sechs verschiedenen Sketchen behandelten sie in Alltagsszenen Themen, wie Alkohol- und Drogenmissbrauch, Prostitution, Sexualität und Ausgrenzung. Auch die Vorbehalte gegenüber anderen Ethien, die nach dem Genozid noch immer vorhandenen sind, wurden aufgearbeitet.
Um die Szenen für die ZuschauerInnen möglichst authentisch zu gestalten, trugen die SchauspielerInnen die schuleigene Uniform. Außerdem erkundigten sie sich bereits im Voraus bei SchülernInnen über schulinterne Witze und Lehrerspitznamen. Die heiklen Themen wurden so, mit viel Witz behandelt und brachten nicht nur SchülerInnen sondern auch so manche LehrerInnen zum Lachen. Die Ernsthaftigkeit der Materie wurde dabei jedoch nicht aus den Augen verloeren, was besonders durch den partizipierten Part am Ende des Stücks zu erkennen war. Hier konnten SchülerInnen und LehrerInnen sich melden, um die gespielten Szenen zu diskutieren und zu dem jeweiligen Verhalten der SchauspielerInnen Stellung beziehen. Diese Möglichkeit wurde von vielen SchülerInnen, aber auch von LehrerInnen sehr gut angenommen. So konnten rege Diskussionen geführt werden und gemeinsame Lösungsansätze für die besprochenen Problematiken ermittelt werden.
Nach Abschluss der 19 Aufführungen kann das Projekt als voller Erfolg gesehen werden. Das Ziel, partizipative Methoden für den Unterricht zu präsentieren und für Lehrkräfte auch als langfristig attraktiv darzustellen, wurde erreicht. Die Schnelligkeit, in der sich die SchülerInnen in die ungewohnte Situation, vor einer großen Gruppe von MitschülerInnen zu diskutieren, eingefunden haben, verdeutlicht, dass hohe Potential der partizipativen Methode für ruandische Schulen.
Das Projekt, das an 19 Schulen aufgeführt wurde und somit rund 10000 Schüler erreichte, konnte vor allem durch großzügige Spenden (u.a. Freundeskreis Ruhango/ Kigoma e.V. und dem Eleonoren-Gymnasium in Worms) realisiert werden.
Das die Schulen mit den Methoden bekannt gemacht wurden, bedeutet jedoch noch nicht, dass diese auch angewandt werden können. Vielmehr müsste in einem nächsten Schritt über eine längere Dauer an den Schulen mit den LehrerInnen und SchülerInnen gemeinsam gearbeitet werden. Hierfür gibt es bereits erste Projektideen und lose Kontaktaufnahmen mit dem Kigali Institute of Education und dem dortigen Studiengang für Theaterlehre.
Bevor diese Ziele in Angriff genommen werden, soll noch ein weiteres Projekt des partizipativen Theaterprojekts durchgeführt werden. Dieses enthält die Verbesserung der Kommunikation zwischen den Partnerschulen in Ruanda und Rheinland-Pfalz. Einige der Videos, die von den Aufführungen gemacht wurden, sind bereits auf dem Weg nach Mainz und werden dort übersetzt. Derweil warten alle Beteiligten gespannt auf die Reaktion aus Deutschland.
Ein runder Abschluss des Projekts wäre nun beispielsweise ein baldiger Besuch an den ruandischen Schulen, in dessen Rahmen ein Film einer ähnlichen Aktion von der jeweiligen rheinland-pfälzischen Partnerschule gezeigt werden könnte.