Graswurzelpartnerschaft Rheinland-Pfalz-Ruanda

Die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda besteht seit über 30 Jahren. Was 1982 als ein ungewöhnlicher Versuch zweier Länder zur Neugestaltung von Entwicklungspolitik begann, ist heute zu einem international anerkannten Modell einer bürgernahen, dezentralen und effizienten Entwicklungszusammenarbeit auf lokaler Ebene geworden. Diese Form einer Graswurzelpartnerschaft beruht auf der Begegnung mit gegenseitigem Respekt und Achtung und will über eine reine Entwicklungszusammenarbeit hinaus zu einer Partnerschaft im alltäglichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben werden. Sie genießt in der ruandischen Bevölkerung einen hervorragenden Ruf und ist auch in der rheinland-pfälzischen Bevölkerung tief verwurzelt. 

Menschen beider Länder versuchen sich auf Augenhöhe zu begegnen, auszutauschen und gemeinsam Projekte zu entwickeln. Die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda ist in ihrer Struktur in zwei Teilen organisiert: dem Ruandareferat der Landesregierung und dem Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz/Ruanda e.V.

 

1. Auf kommunaler Ebene besteht eine Partnerschaft zwischen 40 rheinland-pfälzischen Gebietskörperschaften,  mit Städten, Landkreisen und Verbandsgemeinden. Neben den kommunalen Verbindungen bestehen auf der Ebene von Kirchengemeinden, beider Konfessionen, 15 Partnerschaften zu ruandischen Pfarreien und Diözesen. Weiterhin sind sechs Universitäten und Fachhochschulen mit ruandischen Hochschulen in einem engen Austausch.

2. Die Schulpartnerschaften bilden die zweite große Säule in dem Beziehungsgeflecht zu Ruanda. Im Jahr 2014 waren über 230 rheinland-pfälzische Schulen mit ruandischen Schulen verpartnert. Neben den allgemeinbildenden Schulen etablieren sich zunehmend auch Beziehungen zwischen berufsbildenden Einrichtungen.

3. Die dritte Säule der Träger des Partnerschaftsgedankens sind die gut 50 Vereine und Stiftungen in Rheinland-Pfalz. Darüber hinaus halten auch unzählige Einzelpersonen und Einzelinitiativen die Partnerschaft zwischen beiden Ländern lebendig. In über 30 Jahren partnerschaftlicher Zusammenarbeit ist dabei eine große Projektvielfalt erwachsen, ein Reichtum, der diese Partnerschaft zu dem macht, was sie ist.

Was wurde bisher erreicht?

Bis zum Jahr 2014 konnten über 1900 verschiedene Projekte aller Art, durch die Kreativität und Willenskraft vieler Engagierter, umgesetzt werden. Die hierfür eingesetzten finanziellen Mittel erreichten in den vergangenen 30 Jahren eine Höhe von rund 72 Millionen Euro. Davon waren circa 13 Prozent der Spenden aus privaten Mitteln. Die Projekt-Vielfalt erstreckt sich über ganz unterschiedliche Bereiche. Der Aspekt Bildung gehört dabei zu den wichtigsten Komponenten. Neben dem klassischen Schulbau und deren Ausstattung mit didaktischem Material, wird verstärkt auf eine Zusammenarbeit im Bereich der Fortbildung von LehrerInnen in fachlicher, als auch in methodisch-didaktischer Art hingearbeitet.

Ein weiteres wichtiges Segment bildet der Schüleraustausch, der von der Landesregierung unterstützt wird. Im Bereich der Hochschulen besteht eine langjährige Zusammenarbeit zwischen der Universität Kaiserslautern und der technischen Hochschule in Ruanda. So sind zurzeit ca. 80 ruandische Studenten an der Universität Kaiserslautern eingeschrieben, deren Studium durch ruandische Stipendien finanziert wird. Weiterhin besteht ein Austausch zwischen der Universitätsklinik Mainz und Huye (Butare). Vier weitere Fachhochschulen aus Rheinland-Pfalz haben sich neu in die Partnerschaft eingebracht.

Doch wie läuft so ein Projekt in der "Graswurzelpartnerschaft" konkret ab?

 

Es gilt der Grundsatz: Nicht wir wissen was für Ruanda gut ist, sondern die Ruander selbst.

1. Der ruandische Partner unterbreitet dem Koordinationsbüro in Kigali einen Projektvorschlag, der eine kurze Projektbeschreibung und eine erste Kostenrechnung umfasst.

2. Die Anfrage wird von den Mitarbeitern des Büros nach Sinnhaftigkeit, Umsetzbarkeit und Übereinstimmung mit den ruandischen Bestimmungen, sowie Wirkung und Nachhaltigkeit überprüft.

 

 

3. Ist das Büro von dem Projektantrag überzeugt, verfasst es einen offiziellen Förderantrag für den Partner in  Rheinland-Pfalz mit einer überprüften Kostenkalkulation.

4. Stimmt der rheinland-pfälzische Partner dem Antrag zu und kann er das Projektvolumen aus eigener Kraft finanzieren, so gibt er dem Partnerschaftsverein in Mainz grünes Licht zur Durchführung. 

 

 

5. Kann er das Volumen nicht komplett alleine stemmen, so kann er beim Land Rheinland-Pfalz einen Zuschuss beantragen. Stimmt das Land dem Antrag zu, wird ebenfalls durch die Geschäftsstelle des Vereins in Mainz, das Büro ermächtigt, das Projekt in Angriff zu nehmen.

6. Mit dem Erhalt der Erlaubnisermächtigung aus Mainz, informiert das Koordinationsbüro in Kigali den ruandischen Partner.

 

7. Mit dem ruandischen Partner wird ein Vertrag mit einer Zeitplanung zur Umsetzung des Projektes vereinbart.

8. Das Koordinationsbüro begleitet die Umsetzung des Projektes und verfasst auf Anfrage Zwischenberichte. Die Gelder werden nach vereinbarten Teilbeträgen ausbezahlt.

 

 

9. Nach Beendigung des Projektes verfasst das Büro in Kigali einen Abschlussbericht und erstellt eine Foto-Dokumentation.

10. Nach Prüfung der Unterlagen in Mainz erhält der Partner in Rheinland-Pfalz die Unterlagen. Das Projekt gilt hiermit als abgeschlossen.